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Wieder da! Letzte Chance!

Nach der Sommerpause haben wir soeben die Produktion wieder in den Spielplan genommen.

Wer »Zementgarten« also noch nicht gesehen hat oder nochmals sehen möchte oder sich nicht mehr an den ersten Besuch erinnern kann, hat noch dreimal im Werkraum die Möglichkeit:

Mi. 1.10.08, 18 Uhr
Do. 2.10.08, 18 Uhr
So. 5.10.08, 18 Uhr

Tickets gibt’s an der Theaterkasse.

Heute: Lily Verrier (Darstellerin)

Hallo!
Ich heiße Lily und bin 16. Ich mache seit Kurzem Modern Dance, nachdem ich das Ballett aufgeben musste. Mein Vater ist Franzose und meine Mutter Deutsche. Ich habe zwei Schwestern, eine ist 18 und die Kleine geht noch in den Kindergarten.
Vor etwas mehr als zwei Jahren überraschten unsere Eltern uns mit dem Plan, nach Deutschland zu gehen, damit wir unser Deutsch verbessern. Zuerst war ich traurig darüber, weil ich ja all meine Freunde verlassen sollte, aber dann erwartete ich mit Spannung unser Abenteuer. Jetzt leben wir seit zwei Jahren hier.
Von dem Casting für „Zementgarten“ habe ich durch meine Eltern erfahren. Aus lauter Stress im Deutsch-Französischen Gymnasium komme ich nicht mal zum Zeitung lesen. Manchmal habe ich Schule bis sechs Uhr abends, und dann muss ich noch Hausaufgaben machen!
Aber zurück zum Casting: Ich musste mir erstmal überlegen, ob ich da überhaupt hingehe. Eigentlich bin ich eher schüchtern, und außerdem sind das ja ziemlich harte Themen, die das Stück behandelt. Ich hatte etwas Angst. Zum Glück stellte sich die als unbegründet heraus, da alles sehr humorvoll angegangen wurde.
Das Vorsprechen sah ich schließlich als Chance, mein Deutsch zu verbessern und mal Leute außerhalb der Schule kennen zu lernen. Und ich dachte mir, dass es, egal ob ich genommen werde oder nicht, bestimmt eine gute Erfahrung wäre und eine Möglichkeit, mich weiter zu entwickeln.
Ich habe mich echt gefreut, dass ich ausgewählt wurde, und ich die Rolle der Mutter spielen durfte.
Auf der Bühne verliere ich meine Schüchternheit und werde ein ganz anderer Mensch, als ob es zwei von mir gäbe. Ich spiele wirklich gerne. Es macht mir Spass, Emotionen zu transportieren.
Anfangs war ich mir nicht ganz sicher, ob ich überhaupt eine Mutter spielen kann, schließlich bin ich noch so jung. Aber als die anderen Darsteller mir gesagt haben, dass ich glaubwürdig rüber komme, wurde ich selbstsicherer und bin mehr und mehr in die Rolle hinein gewachsen. Bestimmt fließt ein Teil meiner Persönlichkeit in die Rolle mit ein. Ich bin auch irgendwie mütterlich.
Und solche Probleme wie im Stück gibt’s überall, nicht nur in Büchern. Eltern lassen sich scheiden, man hört von Mitschülern, die versuchen sich umzubringen oder sich die Arme aufritzen, naja und so weiter… Überall gibt es Wunden, die nicht so einfach heilen. Ich bin froh, dass ich mich mit meinen Eltern gut verstehe.
Wenn ich vor so vielen Leuten auftreten muss, bin ich immer ganz aufgeregt, das war schon früher im Schultheater so. Umso mehr hat es mich erleichtert, wie gut das Stück ankommt. Klar, manche Szenen schockieren die Leute vielleicht. Meine Mutter zum Beispiel. War aber dann doch nicht so schlimm.
Nach den Proben bin ich schon in ein kleines Loch gefallen, weil wir echt eine Gemeinschaft geworden sind. Wir haben uns sechs Wochen lang fast jeden Tag gesehen, zusammen gegessen, gegrillt und alles. Auf einmal ist nur noch der Alltag da.
Vielleicht spiele ich ab September im Jugendclub am Theater mit. Hoffentlich habe ich genug Zeit dafür.

Heute: Somphon Nguyen (Darsteller)

Hi!
Mein Name ist Som und ich bin 26 Jahre alt. Ob ihr’s glaubt oder nicht, ich habe elf Geschwister. Ganze acht davon sind Mädchen.
Vor 30 Jahren oder so sind meine Eltern aus Laos und Vietnam nach Deutschland gekommen. Zu Hause haben wir meistens Laotisch gesprochen. Ich finde es so schade, dass ich trotz allem noch nie in Asien war. Irgendwie hat das Geld nie gereicht. Ich gebe es lieber für Schauspiel-Workshops und solche Sachen aus.
Ich kann mich noch dran erinnern, dass meine Geschwister und ich als Kinder immer kleine Theaterstücke oder Sketche eingeübt haben, um sie unseren Eltern vorzuführen. Das war witzig! Wir haben getanzt und wie Jackie Chan gekämpft und alles Mögliche. Überhaupt war ich schon immer gerne kreativ. Ich war früher ein paar Jahre hier im Jugendclub. Ich kann jonglieren, tanze und singe gerne, habe auch für „Lady Macbeth von Mzensk“ und den „Barbier von Seviella“ im Großen Haus auf der Bühne gestanden. Immer wenn ich mitkriege, dass irgendwo in meiner Nähe was Interessantes zum Thema Schauspiel und Tanz stattfindet, versuche ich, dabei zu sein. So wie jetzt bei „Zementgarten“. Nachdem ich auf der Website des Theaters von dem Projekt gelesen hatte, war für mich sofort klar: „Da machst du mit!“
Die anderen Darsteller waren alle viel jünger als ich, aber wir haben gut harmonisiert, was ja nicht selbstverständlich ist. Irgendwie hat’s gepasst. Wir haben uns einfach kennen gelernt, probiert, kommuniziert und wurden bald vertraut miteinander. Ich bin ein offener Mensch und gehe gerne auf die Leute zu. Ich finde es wichtig, dass man sich mit seinen Mitmenschen gut versteht. Die ganze Arbeit mit dem Team um „Zementgarten“ hat mir total viel Spaß gemacht. Nebenbei, also, naja, hauptberuflich arbeite ich im Personalbüro, am Schreibtisch. Da ist die Bühne eine gute Abwechslung. Dort kann ich mich austoben und Dinge tun, die man im Alltag nicht so einfach machen kann. Damit ich bei dem Projekt mitmachen konnte, habe ich extra drei Wochen Urlaub genommen. Jetzt habe ich für 2008 noch ganze sechs Tage übrig. Aber das war es mir wert. Die Probenzeit ist so wahnsinnig schnell vergangen, auf einmal hatten wir nur noch ein paar Tage bis zur Premiere. Und bis zum Schluss haben wir immer wieder wir Details und Abläufe geändert. Wir haben ganz viel Verschiedenes ausprobiert, bis das Stück seine endgültige Form hatte. Abends habe ich immer noch fleißig meinen Text gelernt. Ich war nach der Premiere richtig froh, dass wir am Sonntag nochmal gespielt haben und ich alle wiedersehe. Sie haben mir ziemlich schnell gefehlt.
Meinen Eltern habe ich gar nicht so genau gesagt, bei was für einem Stück ich da mitspiele. Ich bin ganz froh, dass sie es nicht gesehen haben. Sie sind in mancher Hinsicht sehr traditionell eingestellt und würden vieles, was bei der Vorstellung auf der Bühne passiert einfach nicht verstehen, wären schockiert oder so, vermute ich mal.

Jetzt gehe ich wieder zur Arbeit und genieße die freien Abendstunden.

Probenbilder

Morgen ist Premiere und jetzt gibt es die ersten Bilder aus der Probe in unserem Theaterlabor Bildblog.

Premierenfieber

Heute Abend findet die 2. Hauptprobe im Werkraum statt. Morgen folgt dann die GP und am Samstag ist Premiere. Nach nur rund sechs Wochen haben wir einen eigenen Zugriff auf den Roman erarbeitet, Monologe der Autoren eingebaut, geprobt, entwickelt, wieder verworfen und neu kreiert.

Jetzt fügt sich alles zusammen, und es bleibt bis kurz vor der Premiere spannend. Regisseur Marc Prätsch bastelt bis zur letzten Sekunde an unserem Schräge-Familiengschichte-Jugend-Projekt!

Die Premiere ist am 14.6., weitere Vorstellungen gibt es am 15.6. und 22.6. Außerdem nehmen wir das Stück ab dem 30.9. wieder in den Spielplan!

In Marc Prätschs Theaterprojekt spielen jetzt acht Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren sowie ein 26-Jähriger ihre eigene Version des »Zementgartens«, die in sechs Probenwochen durch Improvisation und mit Hilfe von drei jugendlichen Co-Autoren entwickelt wird. Schauspieldirektorin Viola Hasselberg sprach mit Prätsch über das Projekt:

Was ist für dich spannend daran, gerade diesen Text mit Jugendlichen zumachen?
Marc Prätsch: Bei »Zementgarten« gibt es natürlich eine besondere Authentizität, wenn man die jugendlichen Figuren tatsächlich mit gleichaltrigen Protagonisten besetzt und ihre eigene Sicht der Dinge in die Geschichte mit einbezieht.

Ein zentrales Thema von »Zementgarten«ist ja u.a. die Anziehung zwischen den älteren Geschwistern. Da kommt einem doch leicht der Fall Amstetten in den Sinn oder auch andere Berichte von vernachlässigten, missbrauchten Kindern. Möchtest du diese Themen mit deiner Inszenierung ansprechen?
Marc Prätsch: Mit solch grausamen Gewalttaten innerhalb der Familie, mit dieser schweren Verletzung der Menschenrechte, wie sie in Amstetten passiert ist, hat unser Stück überhaupt nichts zu tun. Jack verehrt seine große Schwester, er begehrt sie, was den Reiz des Verbotenen hat, aber auch etwas Schönes. Für einen Heranwachsenden ist das nichts Ungewöhnliches, der Text geht allerdings noch einen Schritt weiter. Dieses im Positiven »Schockierende« interessiert mich auf dem Theater zu erforschen. Die WG in Zementgarten ist eine Art radikale Kinderkommune: Die Geschwister halten bis zum Äußersten zusammen, um nicht getrennt zu werden, sie gehen geschwisterlich rabiat und gleichzeitig sehr liebevoll miteinander um; eine autistische Gemeinschaft, die doch ganz gut funktioniert. Das Faszinierende an dieser Geschichte ist für mich, dass sie nicht bewertet − sich selbst nicht und sie schreit auch nicht nach Wertung von außen. Der »Zementgarten« hat viele Facetten, er ist befremdlich, sehnsüchtig, romantisch, nicht krank und nicht normal. Alle diese Elemente dürfen sein, sie alle nebeneinander machen die Geschichte so spannend!

Der erste Probentag

Heute ist der erste Probentag und am Nachmittag werden sich die Schauspieler, das Regieteam und alle Beteiligten zusammensetzen und die kommenden fünf Probenwochen planen.

Bis es von der Bühne Neuigkeiten gibt, könnt ihr hier die Gewinnertexte der »Autorenschlacht« am 28.4. im Werkraum des Theater Freiburg nachlesen und teilweise sogar anhören:

Rosa Nussbaum

Khesrau Behroz

Julian Arayapong

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