In Marc Prätschs Theaterprojekt spielen jetzt acht Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren sowie ein 26-Jähriger ihre eigene Version des »Zementgartens«, die in sechs Probenwochen durch Improvisation und mit Hilfe von drei jugendlichen Co-Autoren entwickelt wird. Schauspieldirektorin Viola Hasselberg sprach mit Prätsch über das Projekt:
Was ist für dich spannend daran, gerade diesen Text mit Jugendlichen zumachen?
Marc Prätsch: Bei »Zementgarten« gibt es natürlich eine besondere Authentizität, wenn man die jugendlichen Figuren tatsächlich mit gleichaltrigen Protagonisten besetzt und ihre eigene Sicht der Dinge in die Geschichte mit einbezieht.
Ein zentrales Thema von »Zementgarten«ist ja u.a. die Anziehung zwischen den älteren Geschwistern. Da kommt einem doch leicht der Fall Amstetten in den Sinn oder auch andere Berichte von vernachlässigten, missbrauchten Kindern. Möchtest du diese Themen mit deiner Inszenierung ansprechen?
Marc Prätsch: Mit solch grausamen Gewalttaten innerhalb der Familie, mit dieser schweren Verletzung der Menschenrechte, wie sie in Amstetten passiert ist, hat unser Stück überhaupt nichts zu tun. Jack verehrt seine große Schwester, er begehrt sie, was den Reiz des Verbotenen hat, aber auch etwas Schönes. Für einen Heranwachsenden ist das nichts Ungewöhnliches, der Text geht allerdings noch einen Schritt weiter. Dieses im Positiven »Schockierende« interessiert mich auf dem Theater zu erforschen. Die WG in Zementgarten ist eine Art radikale Kinderkommune: Die Geschwister halten bis zum Äußersten zusammen, um nicht getrennt zu werden, sie gehen geschwisterlich rabiat und gleichzeitig sehr liebevoll miteinander um; eine autistische Gemeinschaft, die doch ganz gut funktioniert. Das Faszinierende an dieser Geschichte ist für mich, dass sie nicht bewertet − sich selbst nicht und sie schreit auch nicht nach Wertung von außen. Der »Zementgarten« hat viele Facetten, er ist befremdlich, sehnsüchtig, romantisch, nicht krank und nicht normal. Alle diese Elemente dürfen sein, sie alle nebeneinander machen die Geschichte so spannend!
