Heute: Somphon Nguyen (Darsteller)
Hi!
Mein Name ist Som und ich bin 26 Jahre alt. Ob ihr’s glaubt oder nicht, ich habe elf Geschwister. Ganze acht davon sind Mädchen.
Vor 30 Jahren oder so sind meine Eltern aus Laos und Vietnam nach Deutschland gekommen. Zu Hause haben wir meistens Laotisch gesprochen. Ich finde es so schade, dass ich trotz allem noch nie in Asien war. Irgendwie hat das Geld nie gereicht. Ich gebe es lieber für Schauspiel-Workshops und solche Sachen aus.
Ich kann mich noch dran erinnern, dass meine Geschwister und ich als Kinder immer kleine Theaterstücke oder Sketche eingeübt haben, um sie unseren Eltern vorzuführen. Das war witzig! Wir haben getanzt und wie Jackie Chan gekämpft und alles Mögliche. Überhaupt war ich schon immer gerne kreativ. Ich war früher ein paar Jahre hier im Jugendclub. Ich kann jonglieren, tanze und singe gerne, habe auch für „Lady Macbeth von Mzensk“ und den „Barbier von Seviella“ im Großen Haus auf der Bühne gestanden. Immer wenn ich mitkriege, dass irgendwo in meiner Nähe was Interessantes zum Thema Schauspiel und Tanz stattfindet, versuche ich, dabei zu sein. So wie jetzt bei „Zementgarten“. Nachdem ich auf der Website des Theaters von dem Projekt gelesen hatte, war für mich sofort klar: „Da machst du mit!“
Die anderen Darsteller waren alle viel jünger als ich, aber wir haben gut harmonisiert, was ja nicht selbstverständlich ist. Irgendwie hat’s gepasst. Wir haben uns einfach kennen gelernt, probiert, kommuniziert und wurden bald vertraut miteinander. Ich bin ein offener Mensch und gehe gerne auf die Leute zu. Ich finde es wichtig, dass man sich mit seinen Mitmenschen gut versteht. Die ganze Arbeit mit dem Team um „Zementgarten“ hat mir total viel Spaß gemacht. Nebenbei, also, naja, hauptberuflich arbeite ich im Personalbüro, am Schreibtisch. Da ist die Bühne eine gute Abwechslung. Dort kann ich mich austoben und Dinge tun, die man im Alltag nicht so einfach machen kann. Damit ich bei dem Projekt mitmachen konnte, habe ich extra drei Wochen Urlaub genommen. Jetzt habe ich für 2008 noch ganze sechs Tage übrig. Aber das war es mir wert. Die Probenzeit ist so wahnsinnig schnell vergangen, auf einmal hatten wir nur noch ein paar Tage bis zur Premiere. Und bis zum Schluss haben wir immer wieder wir Details und Abläufe geändert. Wir haben ganz viel Verschiedenes ausprobiert, bis das Stück seine endgültige Form hatte. Abends habe ich immer noch fleißig meinen Text gelernt. Ich war nach der Premiere richtig froh, dass wir am Sonntag nochmal gespielt haben und ich alle wiedersehe. Sie haben mir ziemlich schnell gefehlt.
Meinen Eltern habe ich gar nicht so genau gesagt, bei was für einem Stück ich da mitspiele. Ich bin ganz froh, dass sie es nicht gesehen haben. Sie sind in mancher Hinsicht sehr traditionell eingestellt und würden vieles, was bei der Vorstellung auf der Bühne passiert einfach nicht verstehen, wären schockiert oder so, vermute ich mal.
Jetzt gehe ich wieder zur Arbeit und genieße die freien Abendstunden.

