Ich glaube, es gibt eine Sache, die ist schlichtweg verboten. Ich meine jetzt nicht verboten, wie jemanden umbringen oder sich nach dem Pinkeln die Hände nicht zu waschen um sich dann mit einem aufrührerischen Gefühl an den Esstisch zu setzen und unter den Augen der Familie mit urinösen Händen ein Stück Brathuhn zu essen.
Nein, ich meine ein Verbot, welches seit Urzeiten tief in unserem Verstand eingedrungen ist, sich dort eine Sendestation errichtet hat und von dort aus seit Menschengedenken ein Signal sendet. Biep……… Biep………..Biep. Und jedes dieser Signale löst in mir einen ekligen Kotzreiz aus. Jedes …Biep…. sagt mir: “Schau nicht dort hin! Dahin schaut man nicht!” Oder: “Töte diesen Gedanken! So etwas denkt man nicht!”
Ich schaue dann aber meist doch dort hin. Heimlich. Meistens bekomme ich dann einen Ständer, der erst wieder weggeht, nachdem ich im Badezimmer etwas onaniert habe, wobei ich versuche das Gesehene nach meinem Willen in konkrete Gedanken zu formen um mir wenigstens ein mentale Befriedigung zu gewähren. Eigentlich ist es ja nur ein Gedanke. Ein Soll-Zustand, das den Strom zu der Sendestation in meinem Gehirn liefert. Biep..Kotz..Biep..Kotz. Meist wünsche ich mir dann eine nanometerkleine Truppe Bauarbeiter, die in meinen Kopf reintorkeln (weil sie zu der frühen Stunde schon minimum drei Bier intus haben) um dort diese Sendestation dem Gehirnboden gleichzumachen. Dann könnte ich den Gedanken, diesen einen, wunderbar schönen Gedanken einmal in Ruhe zu Ende bringen ohne gleich kotzen zu müssen. Stundenlang würde ich ihn denken, ohne dass es mir überdrüssig währe. Ich würde unsere Allee entlang gehen, die Leute würden sich verschmitzt nach mir umdrehen und wissen: “Diesem Jungen widerfährt gerade die einzig wahre Liebe.”
Die Stimme meiner Mutter reisst mich jäh aus meiner Gedankenwelt: “Hör auf deine Schwester so anzuschauen und hilf mir hier lieber mal!”