Text zum Anhören – Gesprochen von Khesrau Behroz
Sie kommt taumelnd aus dem Hause raus und schaut mit dem Stirne raunend in die Sterne rauf und traut sich kaum ihn anzuschauen; er steht nur da und raucht nur auf, ignoriert den Blick, den sie ihm anvertraut, doch sie baut sich mutig vor ihm auf, braust im Geiste, tobt sich aus, spricht keines der Worte laut hinaus, „ICH TRAU MICH KAUM“, sagt sie laut hinaus, „ich komme taumelnd aus dem Hause raus und du stehst nur da und rauchst nur auf und schweigst mich einfach aus den Worten aus!“
Er hat rote Augen, aber das haben Fotos auch, er schaut tief aus seinen Augen raus und was er sieht ist ein Augenschmaus, und er erigiert, denn sie so anzuschauen, ist schon fast zu viel für einen Jungentraum. „Glaubst du echt, ich hätt‘s versaut? Ich stand nur da und hab dich angeschaut, wir waren angespannt, haben uns anvertraut, andere Geschwister tun es auch, spielen und überspielen auch, schau, wie wenig es für Liebe braucht.“ Er legt die Hand auf ihr Gesicht und formt die Form mit den Finger nach, er nähert sich ihr und dann auch nicht, weil er unter ihrer Form zusammebrach.
„Es tut mir leid“, fängt sie an sogleich, „dass ich‘s nicht begreif, das ist nicht so leicht und ich meine reicht es so weich zu sein, und so leichtsinnig alles leid zu sein. Wir sind eingesperrt in diesem kleinen Heim und deine Nähe ist der Trost allein,“ Sie schmeißt sich reichlich unbedacht an den Körper ihres Bruders ran, es zerreißt die Luft, die im Anbetracht des Geschehens das Leben an ihr Ruder reißt, doch egal wie sehr sie sich an ihn schmiegt und wie sehr der Ekel ihn überfällt, und egal wie schwer das Tabu auch wiegt und die Ungerechtigkeit ihn überfällt, er wird schwach und sagt es auch: „Ich werde schwach“ und die Kreise drehen sich, die Formen kommen und, nein, sie gehen nicht, er fasst sie an und sie werden warm, die Brüste klopfen und aus ihren Augen tropfen Tropfen und in ihren Augen, ist der Garten nur ihre eigene Welt, geschützt von Hecken und viel Zement und es nützt nur wenig, nein, es nützt ja eh nichts, hinauszulaufen, denn die Schweine sehen nicht, wie einsam es ist, wenn die Realität sich zusammenzieht.
Und so stehen sie da, die beiden Körper, die Hände trösten das andere Geschlecht, schweres Atmen übertönt das Zirpen der Zikaden und das Flüstern der Masse und wie sie spricht von der ungleichen Liebe zwischen dem Geschwisterpaar, die für die einen nur Trieb und für die anderen Inzest war.
Wen sollt es wundern, wenn die Liebe friert und der Liebestrieb nur nach Liebe giert und die Liebe lieber durch die Liebe liebt, ganz egal wer diese Liebe bietet. Nur düstern Frieden bringt uns jeder Morgen; Die Sonne scheint, verhüllt vor Weh, zu weilen. Kommt, offenbart mir ferner, was verborgen, Ich will dann strafen oder Gnad erteilen, Denn noch nie verdarben Liebende so schwer vor Schmerz, so wie wie das Schwester mit dem Bruderherz.
[letzter Abschnitt aus Shakespeares Romeo und Julia (verändert)]